Da gibt es rosa Pfoten für den Hund von Alicia Silverstone, Duft-Lacke, ohne die Julia Roberts nicht sein kann oder sogar changierende Lacke, die abhängig vom Blickwinkel ihre Farbe wechseln.

Nach Schätzungen von Kosmetikherstellern und Maniküresalons benutzen bis zu 80 Prozent der deutschen Frauen Nagellack.

Erstes Modebewusstsein
Gefärbt wurde durch Bleichen, Balsamieren mit Öl, getönte Cremes oder Puder. Inder und Ägypter benutzten Henna, Chinesen entdeckten für diese Zwecke Akaziengummi. Lacke im eigentlichen Sinne des Wortes kamen erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf.

Mit Kamelhaarpinsel und einer alkoholverdünnten Harzlösung zogen sich feine Damen in ihr Boudoir zurück. Wieder hervorgekommen, strahlten ihre Fingernägel in seidig-schimmerndem Glanz. Allerdings nur bis zur nächsten Wäsche: Bei der kleinsten Berührung mit Wasser schwand die Politur auf Nimmerwiedersehen.

Die Erfindung des Nagellacks
Letztendlich verdanken wir den ersten richtigen Nagellack der boomenden Autoindustrie in den 20er Jahren. Erst durch die permanente Weiterentwicklung des Autolacks konnte 1925 erstmalig ein durchsichtiger, rosaroter Nagellack das Licht der Welt erblicken. Die 20er und 30er Jahre waren die Phase der "Mond-Maniküre". Der Lack wurde in dieser Zeit nur auf den Nagel, nicht aber auf den Nagelmond aufgetragen. Manchmal blieb sogar die Spitze frei. 1925 warnten Etikettenbücher die Damen vor "dem Anmalen der Nägel mit grellen Farben". Die anrüchige Komponente haftete dem Nagellack noch an, als Lippenstift und Wimperntusche längst salonfähig waren. Auf Dauer jedoch, war der Reiz des Bunten nicht aufzuhalten.

In den 30er-Jahren kam die Revolution von der Leinwand: Filmstars wie Joan Crawford, Marlene Dietrich oder Rita Hayworth zeigten sich nur noch sorgsam lackiert und verhalfen dem Nagellack in den 30ern endgültig zum Durchbruch. In den 40ern stand Rita Hayworth Pate für einen neuen Look: die Filmlegende propagiert lange, vollständig ausgemalte, rote Fingernägel. In den 50ern wird die Nagelwelt immer bunter. Es gibt ersten Unterricht für professionelle Maniküren, ein Vorläufer des heutigen Nageldesigns. Passend zum Lippenstift musste es bis in die 50er sein.

Der Durchbruch des Kunstnagels
Mit den 70ern brach endgültig das Jahrzehnt des Kunstnagels an. Der gerade abgefeilte Nagel kam in Mode. Durch die neue Technik wurden extrem lange Nägel immer beliebter und galten besonders in den USA als "sexy". Metallic-Lacke und solche mit Glitzerpartikeln wurden auch im Sommer ein Hit für Fuß- und Fingernägel.

1980 löste Fiberglas Acryl ab
Der Nagel wurde jetzt gerne mehrfarbig lackiert. Mit Strass- und Schmucksteinchen verziert, wird er zum regelrechten Kunstwerk. Nicht nur durch ihre sportlichen Leistungen, sondern auch aufgrund ihres sensationellen Nageldesigns wurde die amerikanische Sprinterin Florence Griffith-Joyner in den 80ern zur Kultfigur. Der Beruf der Nageldesignerin etablierte sich.

In den 90ern sah sich die nagellackbegeisterte Kundin mit jeder Menge Neuerungen konfrontiert: Duftender Nagellack, ultralanganhaltender Lack oder "Peel-Off"-Nagellacke. 1995 trug Uma Thurman im Tarantino-Film "Pulp Fiction" erstmals ein verführerisches Blutrot, das über Nacht Kultstatus erlang, der bis heute anhält.

Parallel dazu entwickelte sich im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts der Trend zur dezenten Maniküre. Aus Frankreich kommt die "French Manicure", die sich auch im 21. Jahrhundert noch großer Beliebtheit erfreut: Perfekt gefeilt, die Spitzen wie ein Halbmond weiß gefärbt und dann alles in zarten Pastelltönen überlackiert: Die so genannte French Manicure zählt zu den Klassikern der Nagelpflege. Fast naturbelassen wirken die Fingernägel damit, aber eben nur fast.

Gesundheit & Pflege
Gut aussehen ist nicht der einzige Grund, der 80 Prozent aller Frauen zu Nagellack greifen lässt. Der Film auf den Nägeln soll diese auch vor Beanspruchungen schützen. Brüchige oder rissige Nägel sind ein weiterer Grund.

Um all diesen Ansprüchen gerecht zu werden, bieten Kosmetik-Hersteller auch Nagelhärter an, die Fingernägel vor mechanischer Beanspruchung und Einreißen schützen sollen und Nagellack für die spezielle Pflege für stumpfe und glanzlose Nägel.

Schöne Nägel durch essen
Nägel, die leicht einreißen oder brechen, lassen sich nicht nur mit Kosmetika, sondern auch durch eine gezielte Ernährung stärken. Wirkstoffe, die sich positiv auf das Wachstum von Haaren und Nägeln auswirken, sind Biotin und Panthotensäure, die zu den B-Vitaminen zählen.

Biotin ist zum Beispiel in Blumenkohl und Sojaprodukten reichlich vorhanden, Quellen für Pantothensäure sind Weizenkeime und Hülsenfrüchte. Auch Kieselsäure, reichlich in Hirse enthalten, gibt den Nägeln mehr Festigkeit und Elastizität. Ein Mangel an Eisen, Calcium oder Zink kann ebenfalls an den Nägeln zu Tage treten.